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Es war einmal in einem Land, lange vor unserer Zeit. So lange, dass es damals noch keine Sprache, wie wir sie heute kennen, gab. Die Menschen verständigten sich einfach anders. Sie lebten in einer wunderschönen Umgebung in einer Farbenpracht, wie wir sie heute nur noch aus botanischen Gärten kennen. Mit der Zeit wurde bei den Menschen der Wunsch, die Schönheit ihrer Umgebung zu beschreiben, immer lauter. So ergab es sich, dass Wort und Sprache geboren wurden.

Anfangs bezogen sich die Beschreibungen auf die Umgebung, die Landschaft, Blumen, Bäume. Im Laufe der Jahre entwickelten sich auch Worte, die das eigene Handeln beschrieben. Ich will, ich mache, ich sehe wurde geboren. Diese Worte halfen den Menschen bewusst zu handeln. Aufgaben ging man mit Elan und Freude an. Die Wortwahl war aktiv und genauso wirkte es auf die Menschen. Konjunktive wie könnte, sollte, wollte, die einschränkend wirken, waren damals noch unbekannt. 🙂

Aktive Worte hin, aktive Worte her: es gab auch zu dieser Zeit Aufgaben, die beliebter und solche, die einfach zu erledigen waren. Und langweilige Aufgaben wurden durch ein ‚Ich mache….‘ auch nicht interessanter. Doch Menschen sind kreativ. Sie haben sich hierzu eine clevere Lösung ausgedacht: Sie belohnten sich einfach, wenn sie eine langweilige oder ungeliebte Tätigkeit erledigt hatten!

Dies ging dann so:

Jeder ungeliebten Aufgabe folgte eine schöne Aufgabe. Das sah dann manchmal so ähnlich aus wie: Ich bügle jetzt die Wäsche. In zwei Stunden lege ich mich in die Sonne. Oder Ich sortiere meine Unterlagen und als nächstes trinke ich einen Kaffee. Oder: Ich telefoniere für eine Stunde und male dann ein Bild.

Das Leben hätte immer so weiter gehen können. Doch eines Tages kam ein neues Wort zu unseren Menschen. Das Wort lautete ‚mus‘.

Anfangs sprachen die Menschen das Wort lang gedehnt aus, wie ein muus. Das hörte sich an wie eine Kuh. Sprachen sie es kürzer aus, lief ihnen das Wasser im Munde zusammen, denn Mus oder Kompott liebten diese Menschen.

Dem Wörtchen ‚mus‘ gefiel dies alles nicht und so holte es sich Verstärkung. Ein zweites ‚s‘ kam hinzu. Jetzt hörte es sich schon viel gewichtiger an. Und plötzlich bemerkte das Wort MUSS welche Macht es entwickelte. Die Menschen scheuten sich anfangs vor diesem kleinen Wort; wollten es nicht wirklich annehmen. Nur hin und wieder vernahm man ein ‚Ich muss jetzt …….‘ Doch je mehr Zeit verging, umso häufiger trat es in den Vordergrund. Die Menschen ‚Mussten waschen; mussten telefonieren; mussten spazieren gehen…..

Die Leichtigkeit der früheren Jahre war vorbei. Das kleine Wort MUSS übte Zwang und Endgültigkeit aus. Es blieb keine Wahl – man musste …. tun. Und plötzlich wurden viele Aufgaben, die man seinerseits leichter ausgeführt hatte, bleischwer. Die ungeliebten wurden zur Drohung, die geliebten verloren ihre Freiwilligkeit. Die Menschen hatten vergessen wie schön es war, selbst zu entscheiden was sie tun oder lassen wollten.

Es geriet in Vergessenheit, dass Handlungen freiwillig geschehen. Es geriet in Vergessenheit, dass die Erledigung sich nicht auf ein MUSS bezog, sondern dass es einen Grund für das Tun gab. Auch wenn z.B. Schneeschippen nicht die schönste Aufgabe war. Es war wichtig, da ansonsten kein Durchkommen auf den Straßen mehr war.

Doch zum Glück gab es auch in diesem Land Kinder. Und diese stellten immer wieder die Frage nach dem ‚Warum müssen wir…..‘ . Dies geschah solange bis die Erwachsenen anfingen darüber nachzudenken. Und plötzlich kamen die Erinnerungen wieder. Sie konnten einschätzen was wichtig und unwichtig war. Sie veränderten Schritt für Schritt und Wort für Wort ihre Sprache. Das MUSS wurde weniger und verlor seine Kraft. Das Ich tue, wir tun kam wieder zum Vorschein. Und allmählich fiel die Hetze von den Menschen ab. Ja, hin und wieder kann man das Wörtchen Muss noch hören. Doch es hat jetzt viel weniger Gewalt über die Menschen als vorher.

Und wie sehen Sie es? Was müssen Sie wirklich tun? Was ist der Grund für eine Tätigkeit, die wichtig ist? Und warum ist eine weniger wichtig und Sie müssen sie nicht (sofort) erledigen? Testen Sie es. Versuchen Sie 1 Woche lang das Wort ‚MUSS‘ aus Ihrem Wortschatz zu streichen und durch das richtige Verb zu ersetzen. Überlegen Sie weshalb jetzt etwas zu tun ist.

Wie war das Experiment? Wenn Sie mir Ihr Ergebnis berichten freue ich mich!!

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2 Antworten bis “Diktator MUSS”

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