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Parallel ist noch lange nicht Gleichzeitig

Multitasking ist ein Begriff aus der Informatik: Die Übersetzung von Multitasking lautet deshalb ‚Mehrprozessbetrieb‘. Verschiedene Prozesse werden in so kurzen Abständen aktiviert, dass der Eindruck der Gleichzeitigkeit entsteht. Bereits an dieser Definition ist eine Einschränkung erkennbar. Multitasking bedeutet nicht den gleichzeitigen Ablauf von Prozessen, sondern die Aktivierung der Prozesse nacheinander.

Wie der Mensch so manchmal ist, er möchte Vorgänge aus der ‚Maschinenwelt‘ gerne auf den eigenen Ablauf übertragen. So wurde es üblich im Berufsleben die Fähigkeit des Multitaskings zu fordern. Doch wie sollte das menschliche Gehirn Gleichzeitigkeit ermöglichen, wenn schon eine ‚Maschine‘ dies nicht umsetzen kann?

Sehen wir uns ein Beispiel an, das häufig angeführt wird um Multitasking zu belegen. Es sei möglich zum gleichen Zeitpunkt eine E-Mail zuschreiben und zu telefonieren.

Ja, dies kann funktionieren. Allerdings mit einer Einschränkung:Keine der beiden Tätigkeiten wird mit einer 100-%-igen Aufmerksamkeit ausgeführt. Die Aufmerksamkeit wechselt vom Telefonat zum Schreiben, vom Schreiben zum Telefonat.

Diese suggerierte Gleichzeitigkeit kann i.d.R. nur bei Routinearbeiten erfolgen. Genauer gesagt, es muss mindestens eine Tätigkeit dabei sein, die kein Nachdenken verlangt. Siehe Bügeln und Telefonieren. So ist es durchaus möglich, zwei Dinge gleichzeitig zu erledigen.

Aufmerksamkeit bedeutet auch Wertschätzung. Am nächsten Beispiel ist erkennbar, wo Grenzen des Multitaskings liegen.

Stellen Sie sich ein Verkaufsgespräch vor. Der Verkäufer konzentriert sich auf das Gespräch mit seinem Kunden. Nimmt er während des Gesprächs ein Telefonat an wird die Kommunikation unterbrochen, die Konzentration wechselt von einem Gesprächspartner auf den anderen. Eine Gleichzeitigkeit in Form von Multitasking ist sicher nicht gegeben. Einer der beiden Gesprächspartner fühlt sich vernachlässigt.

Ein weiteres Beispiel. Ein Mitarbeiter verfasst das Protokoll einer Sitzung. Multitaskingfähig nimmt er ein ankommendes Telefonat an und schreibt ‚gleichzeitig‘ weiter an seinem Protokoll. Möglich ist dies, wenn der Gesprächspartner Fragen stellt, die eine Routineantwort auslösen. ‚Nein, ich komme nicht mit…‘ ‚Unter der Kundenrubrik A ist die Akte Abermann abgelegt‘ usw. Wie sieht es bei Fragen aus, die ein Nachdenken erfordern? Ist dies wirklich gleichzeitig machbar? Entscheiden Sie selbst.

Vielleicht stellt sich der eine oder andere an dieser Stelle jetzt die Frage, weshalb es trotz dieser Ausführungen die Fähigkeit des Multitaskings bei Frauen vorhanden sein soll. Diese Übertragung Frau = multitaskingfähig stammt ursprünglich aus dem Privatleben. Viele Tätigkeiten im Haushalt, der Kindererziehung können tatsächlich parallel ablaufen. Ein großer Teil davon ist routinierter Standard, den im übrigen auch Männer beherrschen könne.

Während des Staubsaugens kann ich ‚ein Auge auf das Kind werfen‘. Während ich mich mit Dritten unterhalte achte ich darauf, dass keines der Kinder den Teller vom Tisch wirft; und viele weitere Beispiele. Dies sind alles Reflexe, die im Unterbewusstsein verankert sind und automatisiert ablaufen. Spielen Sie als Mutter oder als Vater mit Ihrem Kind, so sieht es anders aus. Ein Kind fordert 100% Aufmerksamkeit. Jetzt sind keine Nebentätigkeiten mehr möglich, auch wenn es sich um Routinearbeiten handelt. Kinder spüren sofort, wenn die Aufmerksamkeit schwindet und reagieren darauf je nach Temperament.

Zuletzt sei noch die Frage erlaubt, welchen Vorteil Multitasking hat. Zeit zu sparen? (Was in sich bereits einen Widerspruch darstellt.) Eher sind Flüchtigkeitsfehler die Folge, was widerum zu einem Mehr an Aufwand führt um die Fehler zu bereinigen. Die mentale Belastung steigt, da unser Gehirn immer wieder von einem Punkt zum anderen springen muss um auch nichts zu vergessen.

Wie viel leichter ist es dann, sich auf eine Aufgabe – so kurz sie auch sein mag – zu konzentrieren und abzuschließen. Und danach die nächste anzugehen. Das Gefühl, Aufgaben erledigt zu haben, stellt sich ein. Und damit steigt die Zufriedenheit mit der eigenen Leistung. Dies widerum führt zu einer größeren Ausgeglichenheit. Und am Schluss steht eine bessere Lebensqualität.

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