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Das Prinzip der Life-Work-Balance ist denkbar einfach: Das Geheimnis liegt in einer ausgewogenen Balance von Beruf, der Zeit nur für sich, den sozialen Kontakten, der Freizeit. Alles, was einseitig ist oder übertrieben wird, schadet dem Einzelnen.

Unser Leben besteht nicht nur aus Arbeit und es besteht in der Regel auch nicht nur aus Freizeit. Es wäre also ein Irrtum, den englischen Begriff „Work-Life-Balance“ ausschließlich auf die beiden Lebensbereiche „Work“ (Arbeit) und „Life“ (Leben) reduzieren zu wollen. Die Berücksichtigung aller wichtigen Aspekte dieser beiden Pole sowie ihre Wechselwirkung untereinander werden daher unter dem Begriff der Life-Work-Balance behandelt. Dabei geht es um die Ausgewogenheit der individuellen Lebensbereiche mit dem Ziel, die Lebensqualität zu erhöhen. Managementtrainerin und Personal Coach Ursula Vormwald hat die wichtigsten Highlights für Sie zusammen gestellt.

Die 4 wichtigen Lebensbereiche

Die Grundidee geht auf Dr. Nossrat Peseschkian (1933–2010) zurück, Psychotherapeut und Begründer der positiven Psychotherapie. In seiner Arbeit, die sich auch mit der Sinnhaftigkeit befasst, entwickelte er das Modell der Lebensbalance mit den vier Aspekten: Körper – Leistung – Kontakt – Sinn.

Was steckt dahinter?

Häufig vernachlässigt, doch nichtsdestoweniger wichtig ist der Sinn. Die Frage, wie wünsche ich mir mein Leben? Wo möchte ich hin? Mit wem? Hier stehen auch unsere Werte. Insofern elementar, dass, wenn sie unberücksichtigt bleiben, wir nicht danach leben können, dies uns den Spaß am Leben nimmt.

Der Aspekt Leistung dreht sich meist um berufliche Erfolge. Doch auch Erfolge im Privatbereich, dem ehrenamtlichen Engagement, im Sportverein sind hier integriert. Nicht, noch nicht oder nicht mehr Berufstätige finden ihren ganz persönlichen Leistungserfolg auch in anderen Bereichen des Lebens. Wichtig ist, dass wir uns mit dem Tun identifizieren können. Sonst geht auch hier ein wesentlicher Teil unseres Lebens an uns vorbei.

Als Menschen sind wir soziale Wesen, und so gehört dem Kontakt ein weitere Aufmerksamkeit in unserer Betrachtung. Freunde, Familie, Partner, Berufskollegen, all diese sozialen Kontakte benötigen Zeit und sind gekennzeichnet durch ein ständiges Geben und Nehmen. Unser Leben wird durch vielfältige Beziehungen bereichert. Im freundschaftlichen Miteinander lernen wir uns auch selbst besser kennen. Beziehungen zu pflegen ist von großer Bedeutung, denn ohne Kontakte steht Vereinsamung vor der Tür.

Der vierte Teil Körper beinhaltet alles, was mit Gesundheit, Erholung, Bewegung und Fitness zu tun hat. Bereits vor Jahrhunderten wurde der Spruch „Mens sana in corpore sana“ (Ein gesunder Geist steckt in einem gesunden Körper) geprägt. Entspannungstechniken, Sport oder regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft können uns schnell wieder ins Lot bringen und einen körperlich-seelischen Ausgleich verschaffen.

Alle vier Teile sind unser Leben. Eine Aufteilung in genau 4 gleiche Anteile mit 25% ist jedoch unrealistisch, und auch nicht Sinn der Sache. Vielmehr geht es um die Ausgewogenheit des Verhältnisses der einzelnen Bereiche zueinander.

Sehen wir uns den Bereich Leistung an, nimmt dieser bei einem Berufstätigen meist mehr als 45 % ein. Einen Großteil unseres Lebens umfasst der private Bereich. Familie und gute Freunde können einen geeigneten Ausgleich zum Berufsleben im Bereich Kontakt darstellen. Kraft und Energie erhalten wir zudem aus dem Körperbereich: Bewegung, ausgewogene Ernährung, Entspannung und Gesundheit sind hier zentrale Themen. Vergessen wir nicht, weshalb wir dies alles auf uns nehmen, welche Gründe hinter unseren Aktivitäten stecken. Von Zeit zu Zeit dies zu überprüfen gehört in den Lebensbereich Sinn.

Das Prinzip Wechselwirkung

Nicht außer Acht zu lassen ist der wechselseitige Einfluss all dieser Lebensbereiche untereinander. Positives wie Negatives wirkt sich aus, ob es sich um den Privatbereich oder den Beruf handelt, ob wir uns sportlich betätigen oder unsere Kontakte pflegen. Erfolgserlebnisse wirken genau wie negative Ereignisse. Positiv beflügelt schaffen Sie heute vielleicht das sportliche Ergebnis, das Sie schon immer wollten. Mit grübelnden Gedanken bekommen Sie sprichwörtlich ‚keinen Fuß auf den Boden‘.

Und immer geht es dabei geht auch um Ihre persönliche Einstellung. Lassen Sie sich durch Störungen – wie z. B. das Auto, das am Morgen nicht anspringen will – aus der Ruhe bringen, wird sich die Hektik vermutlich durch den gesamten Tag ziehen. Nehmen Sie es gelassen und ‚engagieren‘ mental den Busfahrer als Chauffeur, sieht der Tag wieder wesentlich freundlicher aus.

Sackgasse „Einseitigkeit“

Wie fühlt sich eine Person, die im Beruf tolle Erfolge verzeichnen kann, im Privatleben jedoch keine Freunde oder Hobbys hat? Sie wird vermutlich alles versuchen, um so wenig wie möglich Zeit für Privates zu haben. Die Arbeit steht an erster und einziger Stelle. Und wie reagiert eine Person, die nur fürs Private lebt? Der Beruf steht an letzter Stelle und häufig auch das Engagement dafür. Dies wiederum kann mangelnde Anerkennung zur Folge haben. In beiden Fällen grenzen die Personen Bereiche ihres Lebens aus. Ein Leben auf der Schmalspur führt nicht selten in eine Sackgasse: Kein Erfolg, kein Spaß, keine Freude – einfach zu einseitig!

Die Vereinbarkeit aller wichtigen Lebensbereiche steht bei der sogenannten Work-Life-Balance daher im Mittelpunkt. Wie der Einzelne allerdings ein ausgeglichenes Leben definiert, ist individuell aber sehr unterschiedlich. Gemeinsam ist jedoch, dass die grobe Einteilung in Berufs- und Privatleben nicht ausreichend ist. Kontakte, Körper, Sinn umfasst nun einmal alle Lebensbereiche.

Ausgleich erhöht Lebensqualität

Der Sinn des Lebens verändert sich entsprechend der jeweiligen Lebensphase, die gerade durchlebt wird. Ein sechsjähriges Kind antwortet auf die Frage, was es denn werden möchte, anders als ein 16-Jähriger. Die junge Studentin, 22 Jahre, die sich mitten im Studium befindet, sieht ihren Lebenssinn in einer großen Karriere. Wie sieht es 15 Jahre später aus? Was ist mit dem 40-jährigen Bankangestellten? Wie sah seine Vision mit 20 und wie sieht sie jetzt aus? Ein Unternehmer, der bereits etliche Jahre sein Unternehmen führt, kann die Vision von seinem Ruhestand haben: so zeitig, dass er noch aktiv genug ist, um zu genießen, so zeitnah, dass all seine Geschäfte geregelt sind.

Fragen, die den Sinn betreffen, sind sehr persönlich. Es lohnt sich, sich mit ihnen zu befassen, denn der Lebenssinn wirkt wie ein Motor, der unser Leben antreibt. Wie hat sich Ihre Vision geändert? Vielleicht möchten Sie jetzt Kinder haben, vielleicht auch beides: Beruf und Kinder?

Harmonie, Zufriedenheit, Gesundheit, ausreichend Geld, ein interessanter Beruf, eine glückliche Familie, Freunde, auf die man sich verlassen kann sind den meisten wichtige Ziele und Motivation. Die Reihenfolge muss jeder für sich selbst bestimmen. Welchen Raum haben die vier wichtigen Bereiche in Ihrem Leben? Welche Gewichtung ist für Sie die angemessene? Machen Sie eine „Inventur“ und bringen Sie Ihr Leben (wieder) ins Gleichgewicht, umso mehr Lebensqualität zu gewinnen.

 

Autorin: Ursula Vormwald; auszugsweise erschienen in BKK-Firmenzeitschrift, 2010

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